STEPHANE
LEONARD

MIMIMIKRI

26.9.–17.10.2026

Studio II

Vernissage:
26.9.2026 ⁄ 18 Uhr

Ich mag das M. Das M ist eine lang geschwungene, gerissene oder gezackte Linie, ist eine Sinuskurve, ist ein Gebirge. Das M ist ein schöner Buchstabe, den ich gerne zeichne. Ein Wort mit M ist Mimimikri. Das klingt toll.

Nicht schlimm, wenn man nicht genau weiß, was es bedeutet. Die ähnlich aussehende und klingende Mimikry bedeutet, sich zu tarnen oder als etwas anderes auszugeben. Sie meint Verschleierung und Vorspiel. Ein tiefsinniges Wort aus der Welt der Tiere und Pflanzen. Kunst ist auch immer irgendwie Mimikry. Kunst ist sehr selten das, was sie ist. Kunst sagt immer etwas anderes. Die meisten Künstlerinnen wehren sich gegen den Begriff der Symbolik, was möglicherweise die kulturgeschichtliche Bezeichnung von Mimikry wäre. Aber genau das ist Kunst: symbolisch (und Vorspiel). Meine Ausstellung Mimimikri vereint also die Schönheit der Buchstaben, die Tarnung, das Versteckspiel, das symbolisch für etwas anderes Stehende und das Mimimi, oder so ähnlich.

Meine Kunst steht wahrscheinlich auch für etwas anderes, und ich habe angefangen, mich damit abzufinden. Ich schreibe ein Wort, und es ist Schrift, und Wortsinn, aber auch Zeichnung und Malerei, und soll bedeuten … das weiß ich nicht mehr. Ich habe ehrlicherweise vergessen, was meine Bilder bedeuten sollen. Vielleicht Beckett. Samual Beckett lese ich gerne.

Die ausgestellten Werke sind erstmal genau das, was sie sind: Leinwand mit Farbe und Wörter, die wiederum genau das sind, was sie eben für euch sind. Die Bilder haben nicht lange gedauert und waren nicht schwer anzufertigen, und ich lade euch ein, es auch mal zu versuchen. Auch wenn ich seit über 30 Jahren zeichne, versuche ich, alles Gelernte zu vergessen. Kunst muss nichts davon sein. Kunst ist, innerlich frei zu sein, die Dämonen auszusperren und im Angesicht der Katastrophen in der Welt ein kleines Fleckchen Menschlichkeit zu bewahren. Ja, Kunst kann von ganz klein zu ganz groß werden und das in nur einem Satz. Menschlichkeit und Liebe und Respekt, eben wegen Mimikry.

Stephane Leonard, 1979 in Berlin geboren, lebt und arbeitet seit 2013 in Brandenburg. Nach einem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin setzte er seine künstlerische Ausbildung an der Hochschule für Künste Bremen fort. Dort studierte er von 2002 bis 2008 Freie Kunst, unter anderem in der Meisterklasse von Prof. Paco Knöller.

Die intensive Auseinandersetzung mit Zeichnung, Film, Video und Klang während seiner Bremer Studienjahre prägte sein künstlerisches Profil nachhaltig. Neben seiner eigenen künstlerischen Praxis war Leonard Mitbegründer des Plastik Clubs, der von 2004 bis 2010 ein wichtiger Bestandteil der Bremer Kulturszene war, sowie des Labels und Verlags naivsuper.

Seit den 1990er-Jahren ist Leonard kontinuierlich künstlerisch tätig. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Brandenburgischen Kunstpreis für Malerei und Zeichnung.

www.stephaneleonard.net